Fachstelle zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit
FAGA
Fachstelle
zur Ableistung
gemeinnütziger Arbeit
Darstellung der Zielgruppe
Zielgruppe der Fachstelle sind Personen, die im Rahmen einer Bewährungsauflage, einer uneinbringlichen Geldstrafe oder der Einstellung des Verfahrens unter einer Auflage gemeinnützige Arbeit ableisten müssen. Die Vergehen liegen im Bereich der kleineren und mittleren Kriminalität.
Die jeweilige persönliche Lebenssituation des angesprochenen Klientels erfordert entsprechende Angebote und in vielen Fällen einen spezifischen Umgang.
Die Problemlagen
Die Zielgruppe umfasst häufig Personen mit vielfältigen Problemen im Arbeits- und Sozialbereich.
Nach einem Gutachten von Frau Kawamura (1996) handelt es sich hierbei um:
kurzfristig in materielle Not geratene Personen (z.B. Arbeitslosigkeit),
Langzeitarbeitslose, die schwer vermittelbar sind,
SozialhilfeempfängerInnen,
Drogen- und Alkoholkranke,
RentnerInnen,
PatientenInnen der Psychiatrie und
strafrechtlich vorbelastete Personen.
Diese Lebenssituationen ziehen spezifische Problembelastungen nach sich:
materielle Existenzprobleme,
familiäre Probleme,
Beziehungsarmut,
berufliche Disqualifizierung
Mangel an sekundärer Arbeitsfähigkeit,
Wohnungsprobleme bzw. Wohnungslosigkeit,
Überschuldung,
Arbeitsunfähigkeit,
Alkohol- und Drogenprobleme und schließlich
Lebens- und Versagensängste.
Diese zunehmende Mehrfachproblematik des Klientels im sozialen, gesundheitlichen und materiell-existenziellen Bereich macht deutlich, dass eine entsprechende sozialpädagogische Betreuung nicht nur für die Vermittlung in gemeinnützige Arbeit notwendig ist, sondern auch, um weitere Notlagen abzuwenden und die Lebenssituation der Betroffenen zu stabilisieren.
Hieraus ergeben sich folgende Arbeitsinhalte:
passgenaue Vermittlung jedes/jeder ProbandIn unter Berücksichtigung seiner/ihrer persönlichen Situation und Möglichkeit,
individuelle Begleitung, Betreuung und Unterstützung,
Motivationsarbeit bei der Ableistung,
Intervention bei Konflikten in der Einsatzstelle,
die Erschließung und Bereitstellung sinnvoller Arbeitsinhalte,
eigene Projekte unter Anleitung von Fachpersonal,
Akquise und Pflege entsprechender Einsatzstellen,
Unterstützung bei Ratenzahlungsvereinbarungen, Anträgen, Strafaufschüben und Gnadengesuchen,
rechtliche Beratung,
Vermittlung zu weiterführenden Fachberatungsstellen (wie z.B. Drogenhilfe,
Schuldnerberatung etc.).
Die Arbeit mit nicht motivierten Klientel
Die Tätigkeit der Fachstelle, die Vermittlung in und Betreuung von gemeinnütziger Arbeit,stellt einen speziellen Bereich der Einzelfallhilfe dar.
Wesentliches Merkmal der Einzelfallhilfe ist, dass die Zusammenarbeit zwischen SozialpädagogInnen und ProbandInnen auf Freiwilligkeit beruht und diese einen Auftrag an die Einrichtung formulieren.
Die ProbandInnen der Fachstelle kommen mit einem eng definierten Auftrag. Sie sind gezwungen, eine Arbeitsauflage abzuleisten. Aufgrund der Konsequenz, Haft bei Weigerung, werden die ProbandInnen im Allgemeinen nicht durch Eigenmotivation, sondern durch Zwang zur Zusammenarbeit und Ableistung bewegt.
Die Mitarbeiter der Fachstelle erscheinen den ProbandInnen insofern als Kontrollinstanz der Justiz, welche einen Zwang aufrecht erhält.
Die MitarbeiterInnen selber, beruhend auf den konzeptionellen Grundgedanken, sehen ihre Aufgabe darin, den ProbandInnen zu helfen, indem sie mit ihnen gemeinsam haftvermeidend tätig werden.
Die Tätigkeit der Fachstelle ist als Angebot an die ProbandInnen gedacht. Die Fachstelle will ihnen die Stellensuche zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit und den Kontakt zur Justiz erleichtern, organisatorische Rahmenbedingungen bieten sowie aufklären und informieren.
Es stellt sich trotzdem eine ambivalente Arbeitssituation dar. Die MitarbeiterInnen der Fachstelle unterstehen einem doppelten Mandat – Hilfe versus Kontrolle.
Um mit den ProbandInnen, als nicht motiviertem Klientel, in dieser speziellen Situation zusammenarbeiten zu können, bedarf es einiger Voraussetzungen.
In Anlehnung an das methodische Vorgehen im Umgang mit Widerstandsverhalten verlangt dies von den MitarbeiterInnen der Fachstelle, dass ...
Widerstandsverhalten als normale Reaktion angesehen wird,
„Freiheiten“ geboten werden, wo immer es möglich ist,
der Zeitpunkt benannt wird, an dem die vollkommene „Freiheit“ zurück erlangt werden kann,
spezifische Aufgaben zur Erlangung der Freiheit gestellt werden,
an der Situation und der Aufgabe und weniger der Person gearbeitet wird,
verbleibende Alternativen und Wahlmöglichkeiten genannt werden,
erreichbare Ziele angestrebt werden und
richtige Schritte belohnt werden.
Heinz Cornel fasst es wie folgt zusammen: „Es bedarf der Motivationsarbeit, der Vermittlung und des Einlassens auf die soziale Lage und die persönlichen Probleme der Verurteilten, um erfolgreich Haft vermeiden zu können.“ (Cornel 2002, S.4 in: Der Beitrag der Sozialarbeit zur Abwendung der Vollstreckung von Freiheitsstrafen durch die Vermittlung und Organisation gemeinnütziger Arbeit, unter www.ibs-networld.de/ferkel).