Fachstelle zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit
FAGA
Fachstelle
zur Ableistung
gemeinnütziger Arbeit
Jahresbericht 2002 der FAGA-Münster
Inhalt

Bemerkungen zu 2002
1. Die Einsatzstellen
2. Die Projekte der Fachstelle
3. Die Ergebnisse
3.1. Der Überblick in Zahlen
3.2. Die Effizienz
3.3. Die eigenen Projekte
3.4. Die Wirksamkeitstudie
4. Das Netzwerk

Bemerkungen zu 2002

„Kostbare Freiheit – Das Land will ausgerechnet dort sparen, wo Geld reinkommt:
Bei Häftlingen, die ihre Schuld abarbeiten statt absitzen.“ (NRZ, 29/08/02),
„Verbände warnen vor Justiz-Sparkurs“ (WN 06/09/02),
„Sparen am Gemeinnutz“ (taz,05/09/02).

Diese und ähnliche Schlagzeilen begleiteten 2002 die Arbeit der Fachstelle. Denn obwohl die Justiz die Fach- und Vermittlungsstellen zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeit zunehmend nutzte, wurde bereits Mitte des Jahres bekannt, dass diese Tätigkeit ab 2003 nicht weiter durch das Land Nordrhein-Westfalen gefördert werden sollte. Eine ausreichende Begründung hierfür wurde nicht genannt. Daher war dies für alle Beteiligten ein unverständliches Vorhaben, zumal auch von Seiten der Politik die Sinnhaftigkeit und die Notwendigkeit der Vermittlungsstellen in freier Trägerschaft immer wieder unterstrichen wurde. Denn durch ihre Arbeit wurden Hafttage vermieden. Jeder eingesparte Hafttag bedeutete bares Geld, nämlich jährlich über 2 Mio. + für den Landeshaushalt. Aber nicht nur der finanzielle Aspekt war bei der Vermeidung von (Ersatz-)Freiheitsstrafen relevant. Für die Betroffenen wurden schädliche Folgen einer Inhaftierung vermieden, indem in der Regel Wohnung, Arbeitsstelle und soziale Beziehungen erhalten werden konnten und gleichzeitig durch die gemeinnützige Arbeit eine Wiedergutmachung im Sinne des Allgemeinwohles erbracht wurde.

Die geplanten Kürzungen veranlassten den Verein zur Förderung der Bewährungshilfe Münster e.V. zu einer Reihe von Aktionen und Kampagnen. Bereits vor der Veröffentlichung des Haushaltsentwurfes wurden Stellungnahmen des Landgerichtes, der Bewährungshilfe und der Staatsanwaltschaft Münster, die sich gegen die geplante Kürzung aussprachen, an das Justizministerium und die rechtspolitischen SprecherInnen der einzelnen Fraktionen im Düsseldorfer Landtag verschickt. Es folgten Berichte in den örtlichen sowie überregionalen Medien, verschiedene Protestaktionen vor dem Landtag und Gespräche mit Landtagsabgeordneten und VertreterInnen des Rechtsausschusses. Höhepunkt der durchgeführten Aktivitäten war sicherlich ein von allen Fach- und Vermittlungsstellen in NRW gemeinsam durchgeführter Arbeitseinsatz in einer Düsseldorfer Grundschule. Hier konnte den anwesenden PolitikerInnen aller Fraktionen und den VertreterInnen des Justizministeriums die konkrete Arbeit der Fachstellen verdeutlicht werden.

Rechtzeitig zum Jahresabschluss 2002 wurde der Haushalt 2003 mit einer 22%-igen Kürzung der Fördermittel verabschiedet. Damit wird sich der ohnehin schon hohe Eigenanteil des Trägervereins aller Voraussicht nach auf 70% der Gesamtkosten erhöhen. Dies wird ohne Einschränkungen nur sehr schwer leistbar sein und wird der verstärkten Unterstützung durch die örtliche Justiz bedürfen.

Das Jahr 2002 hat vor allem gezeigt, dass eine professionelle soziale Arbeit im Bereich der Vermittlung in gemeinnützige Arbeit mehr als zustimmender Worte: nämlich einer kontinuierlichen und bedarfsdeckenden Förderung und Finanzierung, damit die vorhandenen Ressourcen der originären Arbeit zugute kommen können.

Wir danken an dieser Stelle allen Beteiligten für die geleistete Unterstützung.
Münster, Februar 2003


1. Die Einsatzstellen

Im Laufe des Jahres 2002 verfügte die Fachstelle über ausreichende Möglichkeiten der Vermittlung in gemeinnützige Arbeit. Bis zum Jahresende 2002 boten insgesamt

185 Einsatzstellen im Stadtgebiet Münster und Greven mit
381 Plätzen die Möglichkeit zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit an.

Es wurden somit 21 Einsatzstellen neu in die Liste der Fachstelle aufgenommen.

Bei den zur Verfügung stehenden Einsatzstellen handelte es sich vorwiegend um kirchliche bzw. karitative (Altenheime, Kindergärten bzw. Vereine), aber auch um öffentliche (Schulen oder Krankenhäuser) Einrichtungen.

Der Betreuungs- bzw. Arbeitsaufwand dieser Einrichtungen während der Ableistung war aufgrund der Zusammenarbeit mit der Fachstelle relativ gering. Die regelmäßige Sachstandsnachfrage durch die MitarbeiterIn der Fachstelle und die Intervention bei Konflikten machte die Fachstelle zu einem wichtigen und zuverlässigen Kooperationspartner und trug u.a. mit der Bereitstellung von Formblättern zur Entlastung bei. Das Jugendinformations- und Beratungszentrum der Stadt Münster, eine der Einsatzstellen vorrangig für Jugendliche, beschreibt die Zusammenarbeit wie folgt: „Von besonderer Bedeutung für die oftmals sozial benachteiligten und individuell beeinträchtigten Jugendlichen ist die pädagogische Anleitung und Begleitung und die Motivationsförderung. Diese Aufgaben übernimmt mit großem Engagement die Fachstelle. Aufgrund der sehr professionellen Arbeit der Fachstelle leisten 90% der von ihr vermittelten Jugendlichen ihre Sozialstunden mit Erfolg im JIB ab.“


2. Die Projekte der Fachstelle

Die eigenen Projekte der Fachstelle konnten sich auch in 2002 weiter etablieren. Die Nachfrage einzelner sozialer Einrichtungen stieg im vergangen Jahr stark an, so dass nicht alle Anfragen bearbeitet werden konnten. Analog zu dem o.g. Arbeitsfelddiagramm gliederten sich die eigenen Projekte in drei Bereiche. Diese waren:

• der Hol- und Bringedienst, ein niederschwelliges Angebot für ProbandInnen, die zwar relativ eigenständig die jeweiligen Arbeitsinhalte und –aufträge bewerkstelligen konnten, jedoch einer engen Anbindung an die Fachstelle bedurften.
Der Vorteil dieses Angebotes bestand darin, dass in den Einsatzstellen kurzfristig angefallene Arbeiten erledigt werden konnten und ProbandInnen unterschiedliche Arbeitsfelder kennenlernen und entsprechende Fähigkeiten entdecken bzw. fördern konnten. In 2002 konnte die Fachstelle vor allem Einrichtungen im Umkreis gewinnen.

• die sog. Dienstleistungen, die ausschließlich von gemeinnützigen Einrichtungen ohne die entsprechenden Ressourcen für Eigenleistung angefragt wurden. Es handelte sich hierbei um die regelmäßigen Pflege von Außenanlagen und die Durchführung kleinerer Hausmeister- und Renovierungsarbeiten in Kindergärten und Kirchengemeinden sowie dem THW-Münster

• die zeitlich befristeten Projekte in Eigenregie der Fachstelle in deren Verlauf feste Arbeitsgruppen gebildet wurden, die von der Planung bis zur Fertigstellung beteiligt waren. Die durchgeführten Arbeiten im Überblick:

• Renovierungsarbeit bei einem Projekt der Wohnungslosenhilfe,
• Tische für ein Jugendorchester,
• Regale für eine Kindertagesstätte,
• Büroumbau für eine Wohnungsloseneinrichtung,
• Regale und einen Projektwegweiser für eine Jugendhilfeeinrichtung,
• Renovierung von Bänken für das THW,
• Bänkebau und Überarbeitung von Tischen für einen Sportverein,
• Figurenbau für eine Kindertagesstätte,
• Treppenhausrenovierung bei einem Kulturverein.

Die Projekte der Fachstelle wurden 4x-wöchentlich angeboten. Arbeitsbeginn war jeweils um 8.30 Uhr in der Fachstelle. Von dort wurden die ProbandInnen den verschiedenen Projekten zugeteilt. Die Arbeitsanleitung erfolgte jeweils durch eine Fachkraft der Fachstelle. Um 15.00 Uhr war Arbeitsende.
Unter fachlicher und pädagogischer Anleitung wurden mögliche negative Begleitumstände gemeinnütziger Arbeit wie Überforderung, Misserfolgserlebnisse sowie Diskriminierung vermieden. Positive Aspekte wie die Stärkung des Selbstbewusstseins, Förderung von Fertigkeiten und nicht zuletzt die Vermittlung von Erfolgserlebnissen wurden hervorgehoben. Ferner erfolgte durch die Ableistung in den eigenen Projekten die Eingliederung des/der Einzelnen in eine geregelte Tages- und Arbeitsstruktur.

Die soziale Kompetenz des Einzelnen wurde durch die Gruppe vor allem in Konfliktsituationen gefestigt und ggfs. modifiziert.


3. Die Ergebnisse

Die Gesamtzahl der bearbeiteten Fälle stieg in 2002 um 33,55% auf 609 Fälle. 417 wurden im vergangenen Jahr neu zugewiesen und 192 aus 2001 übernommen. Die Inanspruchnahme der Fachstellenangebote durch die Justiz und die Akzeptanz haben somit seit Bestehen auch im vergangenen Jahr weiterhin zugenommen.

Der Verein zur Förderung der Bewährungshilfe Münster e.V. als Träger der Fachstelle trug dem stetig steigenden Bedarf durch Ausweitung der personellen Kapazitäten Rechnung. So konnte trotz der letztjährigen 34%-ige Steigerung bei den Zuweisungen eine gleichbleibende Qualität der Arbeit garantiert werden.


3.1. Der Überblick in Zahlen

Erfasst wurden zunächst alle Personen, die im Berichtsjahr 2002 im Rahmen von Bewährungsauflagen, uneinbringlichen Geldstrafen, Einstellung des Verfahrens nach §153a StPO und Weisungen nach dem JGG im Betreuungs- und Vermittlungskontakt mit der Fachstelle standen.
Demnach wurden insgesamt
609 Personen mit einen Gesamtkontingent von 105.282 Stunden
der Fachstelle zur Vermittlung in gemeinnützige Arbeit zugewiesen. Die durchschnittliche Stundenzahl einer Auflage betrug 172,88 Stunden und stieg gegenüber dem Vorjahr um vier Stunden leicht an.

Die Anzahl der zugewiesenen Frauen ist um vier Prozentpunkte ebenfalls leicht angestiegen, jedoch machten das Gros mit ca. 86% weiterhin die zugewiesenen Männer aus. Dies entspricht auch weitestgehend den Inhaftiertenzahlen auf Landesebene. Das Durchschnittsalter betrug wie in den Vorjahren ca. 30 Jahre.

Der Anteil ausländischer Mitbürger ist im Vergleich zum Vorjahr nur unwesentlich um drei Prozent auf 23% gestiegen.

Der Großteil der Zuweisungen erfolgte in 2002 mit 380 Personen durch die Bewährungshilfe Münster, wobei hier ungeachtet der zwar gestiegenen absoluten Zahl ein weiterer Rückgang gegenüber 2001 von 10% zu verbuchen ist. Dennoch wurden im Bereich der Bewährungsauflagen weitestgehend alle Fälle der Fachstelle zugewiesen.

Gleichzeitig wurden 38 Fälle direkt von RichterInnen des Amtsgerichtes zugewiesen, das bedeutet eine Verdopplung gegenüber 2001.

Auch die Zuweisungen durch die Staatsanwaltschaft Münster hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Die 157 zugewiesenen Fällen entsprachen knapp 26%.
Im Vergleich zu den Zuweisungen der Bewährungshilfe haben die der gerade genannten Stellen prozentual stark zugenommen. Hier mag die Ursache für den Rückgang an Zuweisungen durch die Bewährungshilfe liegen.
Zuweisungen anderer Stellen, wie z.B. Weisungen nach dem JGG oder der Gerichtshilfe Münster spielte im Berichtszeitraumes mit insgesamt 34 Fällen eine eher untergeordnete Rolle.
Im Einzelnen ergibt die Differenzierung nach zuweisenden Stellen folgendes Bild:

Zuweisende Stelle
Personen
%
%-Vorjahr
Bewährungshilfe
380
62,40 %
73,90 %
Staatsanwaltschaft
157
25,78 %
19,10 %
Amtsgericht
38
6,24 %
3,20 %
Gerichtshilfe
11
1,81 %
1,90 %
Sonstige
23
3,77 %
1,90 %
Gesamt
609
100,00 %
100,00 %

Die durchschnittliche Stundenzahl nach Genehmigung freier Arbeit bei einer uneinbringlichen Geldstrafe überstieg mit 244 Stunden erheblich den Gesamtdurchschnitt von 172,88 Std., die Bewährungsauflagen blieben jedoch mit durchschnittlich 154,39 Stunden unter dem Gesamtdurchschnitt.

Bei einem Umrechnungsmaßstab von 1:6 (ein Tagessatz = ein Hafttag = sechs Stunden gemeinnützige Arbeit) ergeben die zugewiesenen uneinbringlichen Geldstrafen insgesamt 6.793 Tagessätze = Hafttage.

Die Aufschlüsselung der zugewiesenen Fälle nach Art der Auflage zeigte, dass die zuweisende Stelle nicht identisch mit der Art der Auflage sein muss. D.h. von der Bewährungshilfe werden zum Beispiel auch Auflagen im Rahmen uneinbringlicher Geldstrafen zugewiesen oder wie bereits erwähnt wurden Bewährungsauflagen direkt durch die jeweiligen Richter oder die Gerichtshilfe zugewiesen. Nicht erfaßt wurde die zunehmende Zahl der Selbstmelder. In einem solchen Fall kümmerte sich jedoch die Fachstelle um eine entsprechende Zuweisung durch die zuständige Stelle der Justiz.

Art der Auflage
Personen
Stunden
% Personen
%-Vorjahr
Bewährungsauflage
390
60.213 Std.
64,01 %
73,50 %
Uneinbringliche Geldstrafe
167
40.757 Std.
27,42 %
23,70 %
Einstellung des Verfahrens nach §153a
28
2.440 Std.
4,63 %
1,50 %
Weisung nach §10 JGG
24
1.871 Std.
3,94 %
1,30 %
Gesamt
609
105.206 Std
100,00 %
100,0 %

3.2. Die Effizienz

Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 405 Fälle abschließend bearbeit. Davon haben:

Anzahl
der Probanden
Anteil in
Stunden
in % Anteil
% Vorjahr
Gesamtauflage
Tatsächlich
abgeleistete
Stunden
Auflage abgeleistet
212
52,35 %
47,73%
28.065 Std.
28.065 Std.
Auflage gewandel
74
18,27 %
19,70%
15.413 Std.
2.000 Std.
Auflage erlassen
7
1,73 %
1,14%
1.354 Std.
122 Std.
Widerruf
52
12,84 %
19,32%
11.632 Std.
1.969 Std.
Kontaktabbruch
24
5,93 %
3,02%
4.547 Std.
617 Std.
Sonstiges
36
8,89 %
9,09%
4.848 Std.
424 Std.
Gesamt
405
100,00 %
100,00 %
65.860 Std.
33.198 Std.

Nach der obigen Auflistung wurden alleine durch die abgelegten Fälle über 33.000 Stunden abgeleistet. Hinzu kamen noch 7.889 Stunden aus den noch laufenden Vermittlungen, so dass insgesamt durch die Vermittlung und Betreuung der Fachstelle 41.087,75 Stunden abgeleistet wurden.

Legt man davon lediglich die uneinbringlichen Geldstrafen mit je sechs Stunden pro Tagessatz zugrunde, wurden durch die Vermittlung und Begleitung der Fachstelle 2.057 Hafttage eingespart (das 2,5-fache von 2001). Der Umfang der eingesparten Hafttage im Bereich der Bewährungsauflagen und der Einstellung des Verfahrens nach §153a war mit den Möglichkeiten der Fachstelle leider nicht zu ermitteln.

Im Gegensatz zum Vorjahr wurden in 2002 erheblich mehr Fälle abschließend bearbeitet, nämlich 2/3 aller Zuweisungen (in 2001 lediglich die Hälfte). Gleichzeit wurden von jedem ProbandInnen durchschnittlich mehr Stunden abgeleistet: in 2001 74 Std. und in 2002 82 Std..
Zu den einzelnen Ablagegründen:

Auflage abgeleistet
Mit ca. 52% der abschließend bearbeiteten Fälle lag die Quote der vollständigen Ableistungen 4% über der Quote des Vorjahres. Durchschnittlich wurden hier 132 Stunden pro Fall abgearbeitet. Die durchschnittlich zugewiesene Stundenzahl lag jedoch weit höher, im Bereich der uneinbringlichen Geldstrafen wurden sogar im Durchschnitt 100 mehr, nämlich 244 Stunden zugewiesen. Alleine dieser Vergleich lässt die Vermutung zu, dass eine erfolgreiche Ableistung und somit eine erfolgreiche Haftvermeidung eng mit der abzuleistenden Stundenzahl zusammenhängt.

Auflage gewandelt
In 74 Fällen wurde aufgrund der veränderten persönlichen und wirtschaftlichen Situation des Einzelnen die Auflage während der Ableistung in eine Geldstrafe bzw. Ratenzahlung rückgewandelt. Die Fachstelle leistete hier in 21 Fällen entsprechende Unterstützung bei der Beantragung. Trotz Wandlung wurden insgesamt immer noch 2.000 Stunden abgeleistet.

Auflage erlassen
Bei sieben ProbandInnen wurde die Arbeitsauflage teilweise oder vollständig erlassen, so dass hier lediglich 122 Stunden abgeleistet wurden.

Widerruf
Der Widerruf erfolgte in ca. 13% der Fälle (bei 52 Personen), meist nachdem auch anderen Auflagen nicht nachgekommen wurde. Diese Quote liegt weit unter der des Vorjahres, eine direkte Auswirkung der bedarfsdeckenden Personalkapazität.

Kontaktabbruch
24 Personen brachen den Kontakt trotz mehrfacher Aufforderung mit der Fachstelle ab, so dass in diesen Fällen an die zuweisende Stelle negativ berichtet werden musste.

Sonstiges
Sonstige Beendigungsgründe wie Umzug, Tod oder langfristige Therapien war in etwa 9% der Fälle der Ablagegrund.

Insgesamt führte die Fachstelle 847 Vermittlungen von ProbandInnen in gemeinnützige Einrichtungen durch.


3.3. Die eigenen Projekte

2002 waren insgesamt 114 Personen in den eigenen Projekten der Fachstelle beschäftigt und leisteten hier 5.112,5 Stunden ab. Gegenüber dem Vorjahr wurden demnach weniger ProbandInnen in die eigenen Projekte aufgenommen, obwohl auch die personellen Kapazitäten ausgeweitet wurden. Dieser Rückgang lag zum einen in den Inhalten der Projekte begründet, da überwiegend Arbeiten durchgeführt wurden, die nicht mehr als zwei ProbandInnen beschäftigen konnten. Zum anderen wurden im Gegensatz zum Vorjahr in 2002 Personen mit erheblichem Betreuungsbedarf aufgenommen und begleitet. Auch hier wurde der inhaltlichen Betreuungs- und Anleitungsarbeit Priorität gegenüber der Quantität eingeräumt. Die Auswirkungen dieser Vorgehensweise zeigen sich im Ergebnis der abgelegten Fälle:

62 Personen wurden, nachdem im Erstgespräch eine entsprechende Passgenauigkeit festgestellt wurde, direkt in die eigenen Projekte vermittelt. In den restlichen Fällen - zunächst fremd vermittelten - erforderten auftretende Schwierigkeiten einen Wechsel in die eigenen Projekte, da hier neben einer größeren Kontrollmöglichkeit auch eine engere Anbindung und pädagogische Begleitung möglich war.

84 Fälle wurden in den eigenen Projekten abgelegt. Nach Ablagegründen differenziert ergibt sich folgendes Schema:
In Relation zur Gesamtzahl der ProbandInnen leisteten in den eigenen Projekten prozentual mehr Personen ihre Auflage vollständig ab, wobei auch die Anzahl der Widerrufe leicht über der Gesamtzahl liegt. Eine enge pädagogische Einbindung und fachliche Begleitung während der Ableistung war demnach bei der eingangs erwähnten Mehrfachproblematik des Klientel sinnvoll und führte in vielen Fällen zum gewünschten Erfolg. Die intensive und direkte Kontrolle in den eigenen Projekten ließ aber auch eine schnelle und differenzierte Rückmeldung an die zuweisende Stelle zu.


3.4. Die Wirksamkeitsstudie

Von den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen wurde in Absprache mit dem Justizministerium und den fünf Fachstellen zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit in NRW eine Wirksamkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Die Studie analysiert die Struktur der Angebote der Fachstellen sowie die Prozesse und die Ergebnisse der Vermittlung in gemeinnützige Arbeit. Sie zielt darauf ab, die Effizienz und Erfolgsrate der Fachstellen zur Ableitung gemeinnütziger Arbeit zu evaluieren. Sie stellt die hier bestehenden Probleme dar und arbeitet entsprechende Lösungsansätze heraus.

In Anlehnung an Fachliteratur, aufgrund schriftlicher Dokumentationsmaterialien und Arbeitsstatistiken der Fachstellen zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeit sowie der Trägerverbände und basierend auf Experteninterviews mit den Mitarbeitern der Fachstellen werden folgende Ergebnisse hervorgehoben:

Die Tätigkeit der Fachstellen leistet einen entscheidenden Beitrag zur Vermeidung von Freiheitsentzug und somit auch zur Kostenersparnis, also zur Entlastung des Justizhaushalts in NRW.

Darüber hinaus übernehmen die Fachstellen Aufgaben sozialer Dienste der Justiz, wodurch diese effektiver die ohnehin knappen personellen Ressourcen zur Wahrnehmung ihrer originären Aufgaben einsetzen können.

Es hat sich gezeigt, dass es, um erfolgreich in gemeinnützige Arbeit vermitteln zu können, eines erheblichen Informations-, Motivierungs- und Betreuungsaufwands bedarf. Eine besondere Relevanz kommt hierbei dem Erstgespräch mit seiner Clearing-Funktion zu.

Somit ergibt sich, dass die Vermittlung in gemeinnützige Arbeit weiter ein sozialpädagogischer Arbeitsbereich bleiben sollte. Dies bedeutet, dass ein Teil der personellen Kapazitäten der Fachstellen für betreuende und beratende Tätigkeiten fest eingeplant werden müssen.

„Diese begleitende Betreuung kann im Rahmen der bestehenden, begrenzten personellen und sachlichen Kapazitäten der Fachstellen von den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege offensichtlich immer noch weitaus besser geleistet werden als dies durch die RechtspflegerInnen bei den Staatsanwaltschaften, ..., möglich ist,“
(Kawamura-Reindl 2002, S. 71, in: Gemeinnützige Arbeit zur Abwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen durch Freie Träger der Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen. Eine Wirksamkeitsstudie).

Die Fachstellen weisen neben den positiv zu bewertenden Strukturmerkmalen der personellen und sachlichen Ausstattungen auch den Vorteil einer gut funktionierenden Kommunikationsstruktur auf. Sie sind das Bindeglied zwischen Justiz, sozialen Diensten und Einsatzstellen. Die Kooperation wird insoweit erleichtert als es für alle Beteiligten einen konkreten Ansprechpartner gibt.

Zudem verfügen die Fachstellen als Teil der freien Wohlfahrtspflege durch ihre Trägerstruktur über ein differenziertes Netz an mobilisierbaren Hilfen für die verschiedenen Bedürfnisse der Klienten.

Nennenswert ist auch, dass die eigenen Projekte der Fachstellen einen problem- und fähigkeitsangemessenen Einsatz von besonders problembelasteten ProbandInnen ermöglichen und so die Erfolgsquote der Ableistung gemeinnütziger Arbeit zusätzlich erhöhen.

Fazit: „Die gemeinnützige Arbeit als gesellschaftlich (Wiedergutmachungseffekt) und volkswirtschaftlich (Einsparungseffekt) nützliche Form des Umgangs mit uneinbringlichen Geldstrafen [sowie mit Bewährungsauflagen] sollte entsprechend ausgebaut werden,“ (ebd. S.74).

Ein letztes Wort zur Finanzierung:
„Eine effektive Nutzung der fachlich und organisatorisch entwickelten und nunmehr bestehenden Vermittlungsmöglichkeiten verlangt eine kontinuierliche Finanzierung. Die Mittel hierfür sollten verlässlich bereitgestellt werden, um zu vermeiden, dass ansonsten permanent erheblicher Personal- und Zeitaufwand in die finanzielle Absicherung der Maßnahme fließt,“ (ebd. S.73).


4. Das Netzwerk

Die Fachstelle zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit kooperiert auf verschiedenen Ebenen mit relevanten Partnern und ist somit Teil eines regionalen bzw. überregionalen sowie träger- und verbandsübergreifenden Netzwerkes. Neben den unten aufgeführten Kooperationspartnern bestand in 2002 ein reger Austausch mit verschiedenen Vermittlungsstellen auf Bundesebene. Durch die Teilnahme der FachstellenmitarbeiterIn an verschiedenen Fortbildungsveranstaltungen und Tagungen wurden diese Kontakte noch intensiviert.

Die Straffälligenhilfe Münster
Wie in den vergangenen Jahren haben sich die drei münsteraner Einrichtungen im Bereich der Straffälligenhilfe (Chance e.V., der Verein sozialintegrativer Projekte und der Verein zur Förderung der Bewährungshilfe Münster e.V.) zu bestimmten relevanten Themen zusammengeschlossen. 2002 war dies vor allem die Weiterförderung durch das Land NRW, da alle drei von den geplanten Kürzungen betroffen waren. Vor diesem Hintergrund wurden gemeinsame Gespräche mit Landtagsabgeordneten geführt und entsprechende Presseartikel veröffentlicht.

Der Arbeitskreis der Vermittlungsstellen in NRW:
Seit 1996 werden insgesamt fünf Vermittlungsstellen in NRW vom Justizministerium gefördert. Diese sind in einem Arbeitskreis (Arbeitskreis der Fach- und Vermittlungsstellen in NRW) mit sechs Treffen pro Jahr zusammengeschlossen. Die Zusammenarbeit im AK wurde auch in 2002 weiter intensiviert. Neben dem Austausch von Erfahrungen im Hinblick auf die Effektivierung des Arbeitsalltages wurden die im Vorjahr begonnenen gemeinsamen Qualitätsstandards weiter entwickelt.
Zur Präsentation der Arbeit und der Angebote brachten die Vermittlungsstellen ein gemeinsames Informationsblatt heraus.

Das Sprechergremium der Förderbereiche:
Als Schnittstelle zwischen dem „Arbeitsausschuss Gefährdetenhilfe“ als Ansprechpartner für das Justizministerium und den einzelnen Projekten wurde ein Sprechergremium der einzelnen Förderbereiche auf Landesebene installiert. Auch in 2002 vertrat Michael Großhauser, Mitarbeiter der Fachstelle Münster als Sprecher die „Fach- und Vermittlungsstellen zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit in NRW“ in diesem Gremium.

Der Arbeitskreis Straffälligenhilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW:
Die Fachstelle zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit nahm regelmäßig an den Treffen des o.g. Arbeitskreises als fachliches und verbandliches Forum der Straffälligenhilfe im DPWV teil.

Die Justizbehörden:
Auch in 2002 fanden mehrere Informationsgespräche mit Vertretern der Justizbehörden, vorrangig mit der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Münster und der Bewährungshilfe Münster statt. Die Information über die Angebote und die inhaltliche Arbeit der Fachstelle standen hier im Vordergrund. Wie im vergangenen Jahr besuchte eine Gruppe von Amtsanwälten die Fachstelle und informierte sich.